Die Komfortzone – magische Wunderpille der Persönlichkeitsentwicklung?

Komfortzone

Bestimmt kennst Du das auch: Du bist Zuhause und liegst gemütlich auf Deinem kuscheligen Sofa und schaust Deine Lieblingssendung an. Zuvor warst Du beim Training in Deinem Sportverein. Dort bist Du schon seit vielen Jahren Mitglied und kennst jeden. Gerade klingelt es an Deiner Tür und Dein(e) Lebenspartner(in) kommt – wie jeden Abend- in Eure gemeinsame Wohnung, um Zeit mit Dir zu verbringen. Gar nicht so schlecht, oder?

Um gleich auf den Punkt zu kommen: die beschriebene Situation ist die Komfortzone – der bekannte Bereich, in dem Du Dich wohl und sicher fühlst.

Du weißt in Deiner Komfortzone sehr genau welche Konsequenzen Deine Handlungen haben. Automatisch tendierst Du dort dazu Handlungen mit negativen Folgen zu vermeiden, denn Du willst Dich ja verständlicherweise wohlfühlen.

Wie entsteht die Komfortzone?

Deine täglichen Gewohnheiten und Routinen bilden Deine Komfortzone (bzw. Comfort Zone). Spannend daran ist, dass Deine Gewohnheiten und Routinen im Bereich des Unbewussten liegen.

Dieses Unbewusste war seit Deiner Geburt den vielfältigsten Einflüssen ausgesetzt. Du hast irgendwann eine von Deiner Mutter getrennte „Ich“-Identität entwickelt und gelernt, dass Du ein eigenständiges Individuum bist.

Mit allen Konsequenzen: wenn Du auf die heiße Herdplatte gefasst hast, dann hast Du Dir Deine kleinen Finger verbrannt und so „aus erster Hand“ gelernt, dass Deine eigene Handlung/Entscheidung für den Schmerz verantwortlich war.

Du hast aus vielen solchen Erfahrungen zahlreiche Rückschlüsse gezogen und Dein Leben an dieser so entstandenen Wirklichkeit ausgerichtet – von damals bis heute!

Ein eigenes Modell von der Welt entsteht

Die Problematik besteht darin, dass Du in Bezug auf Deine Verhaltensweisen ebenfalls von den Menschen aus Deiner direkten Umwelt Rückmeldungen bekommen hast. Je nachdem, ob Deine Handlungen in IHREN Augen richtig, oder falsch waren, gab es entweder Lob (Anerkennung), oder Tadel (Ablehnung).

Oftmals haben wir, ohne dieses „Feedback“ weiter zu hinterfragen, unser Verhalten daran angepasst. Wer von uns wollte es sich schon freiwillig mit seinen Eltern, Freunden, Mitschülern, Lehrern, Chefs, Arbeitskollegen usw. verscherzen?

Wichtig: wir machen uns viel zu selten bewusst, dass ein und dasselbe Verhalten erst durch die jeweilige Situation bzw. den Gesamtkontext als zielführend(!) bzw. nicht zielführend bewertet werden kann – und zwar erst im Nachhinein.

Kompliziert wird es auch dadurch, das selbst das vermeintlich richtige Verhalten in einer Situation nicht immer das gewünschte Ergebnis erzielt. Die äußeren Umstände einer Situation üben einen enormen Einfluss aus: es ist durchaus möglich das Richtige zur falschen Zeit zu tun, stell Dir z.B. vor Du würdest Aktien am Tag eines Börsencrashs kaufen.

Würden sich nach einer solchen Erfahrung auch Deine bisherige Einstellung zum Aktienhandel und damit Dein aktuelles Modell der Welt verändern?

Du machst keine Erfahrungen, sondern Erfahrungen machen Dich

Vielleicht bist Du gerade schon selbst auf die Idee gekommen: wenn Erfahrungen unsere eigene Weltsicht so stark verändern, dann ist es doch vielleicht auch möglich unsere Realität in unserem eigenen Interesse zu verändern!?

Richtig. Je mehr Du unterschiedliche Erfahrungen machst, desto differenzierter und „realitätsgetreuer“ wird Deine Sichtweise auf die Welt sein und… auf Dich selbst.

Jeder von uns hat zum jetzigen Punkt ganz unterschiedliche Lebenserfahrung gesammelt. So hat jeder auch auf seine Art ein ganz eigenes Bild von der Welt kreiert – wir sind eben alle ganz unterschiedliche Life Artists :-)

Dadurch wirkt aber jede Erfahrung bei jedem auch anders. Es gibt also keinen starren Ausbildungsplan, an den Du Dich einfach halten könntest. Schade eigentlich…

Konditionierung durch die Gesellschaft

Eine spannende Frage, über die jeder von uns bestimmt schon gestolpert ist: „Wer bin ich?“

Einen großen Anteil an dem was uns geprägt hat, ist unser soziales Umfeld. Wie weiter oben bereits angedeutet, haben insbesondere die „Institutionen unseres Lebens“ einen starken Einfluss auf unser Selbstbild.

Wir übernehmen im Laufe unserer Erziehung die Werte unserer Eltern, des Kindergartens, der Schule, der Universität, oder der Arbeitsstelle, nach einem einfachen Prinzip: der Konditionierung. Dabei wird von außen ein kausaler Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung hergestellt:

Räume ich mein Zimmer nicht auf, dann gibt es kein Taschengeld; Nehme ich das Spielzeug von anderen Kindern weg, dann bewerfen diese mich mit Sand; mache ich meine Hausaufgaben nicht, dann gibt es Strafarbeiten; arbeite ich als Hilfskraft nicht für meinen Professor, dann gibt es schlechtere Noten; wenn ich meinem Chef nicht nach dem Mund rede, dann werde ich gekündigt… usw.

Es bilden sich Gesetze und Spielregeln in allen Lebensbereichen heraus, die wir einfach so hinnehmen und uns aktiv gar nicht bewusst sind. Obwohl wir keine kleinen Kinder mehr sind wirken diese Konditionierungen und beeinflussen unsere Denk- und Handlungsweise.

Wir wurden zu einem großen Teil durch unsere Umwelt geschaffen.

Ein selbstbestimmtes Leben in einer Gesellschaft ist für uns nur dann möglich, wenn unsere Entscheidungen und Handlungen nicht auf unseren Ängsten beruhen, sondern frei und unabhängig gewählt wurden.

Gewohnheiten schaden unserer Intelligenz

Es gibt Situationen, in denen wir unser Großhirn wenig benutzen. Dies sind in aller Regel Situationen, die innerhalb unserer Komfortzone liegen. Bei Pendlern z.B. die jeden Tag die gleiche Strecke ins Büro fahren, ist fast nur der Hirnstamm aktiv, während das Großhirn sich ausruht.

Unser Körper arbeitet effizient und spart Energie wo er kann. Das Problem ist, dass dieser Reizmangel dafür sorgt, dass unsere Nervenbahnen nicht ausreichend genutzt werden und über lange Sicht verkümmern. Ähnlich wie ein Muskel der nicht trainiert und mit Nährstoffen versorgt wird.

Neue Nervenbahnen und Verknüpfungen zwischen diesen können und werden bis ins hohe Alter gebildet. Die dafür notwendigen Botenstoffe werden nicht in langweiligen, sondern in spannenden Momenten gebildet, in denen wir hochgradig emotional involviert sind.

Beispiel: ein 80ig-Jähriger Mann versucht Chinesisch zu lernen. Wenn er alleine genug Willenskraft aufbrächte es zu versuchen, dann würde vermutlich spätestens sein soziales Umfeld ihn schwächen mit (Glaubens-)Sätzen wie „Bist Du dafür nicht schon zu alt?“, „Wozu willst Du das noch lernen?“, „Schuster bleib bei Deinen Leisten!“. Am Ende würde er wahrscheinlich aufgeben.

Stell Dir jetzt mal vor der 80ig-Jährige Mann verliebt sich plötzlich in eine attraktive und „junge“  60ig-Jahre alte Chinesin. Verliebt über beide Ohren würde er mit ihr in ihr Heimatdorf ziehen. Was denkst Du was da passiert?

Ha Ha, ja DAS vermutlich auch. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit würde er nach 3 Monaten flüssig Chinesisch sprechen und darauf wollten wir hier hinaus.

Angst verhindert neue Erfahrungen

Unbekannte Situationen verursachen Stress. Einige behaupten, dass ein uralter Teil unseres Gehirns – das limbische System – dafür verantwortlich ist, dass wir von Natur aus neue Erfahrungen meiden. Dies sollte uns in grauer Vorzeit vor Gefahren beschützen und das Überleben sichern.

Es galt nur: „Habe ich bisher mit diesem Verhalten überlebt?“ und nicht, „wie sinnvoll ist dieses Verhalten gerade für meine durchaus komplexere Lebenssituation?“.

Früher war es sicherlich eine echte Gefahr vom Säbelzahntiger gefressen zu werden, vom Mammut plattgelatscht zu werden, von einem Konkurrenten eins mit der Keule zu bekommen, oder von seinem Familienclan verstoßen zu werden.

Unsere heutigen Ängste vor Situationen, die nicht unser Leben bedrohen, wie z.B. vor öffentlichen Reden, einem Bewerbungsgespräch, oder einem Blind-Date, sind im Vergleich dazu völlig übertrieben und meistens nicht hilfreich beim Erreichen unserer gesetzten Ziele.

Ständigen Veränderungen aktiv begegnen

Die Welt um uns herum befindet sich im ständigen Wandel und Veränderungen finden permanent statt.

Die meisten Menschen verharren solange in ihren unbequemen Situationen bis der Leidensdruck zu groß wird und sie etwas ändern müssen.

Schicksalsschläge wie eine Kündigung, Krankheit, oder das Ende einer Beziehung zwingen uns spätestens dann, in Form von Problemen, unsere Komfortzone zu verlassen.

Aber wäre es nicht viel schöner flexibel und kreativ auf Veränderungen zu reagieren?

Chancen zu erkennen, wo andere nur das (oft nicht einmal vorhandene) Risiko sehen?

Spaß daran zu haben etwas Neues auszuprobieren?

Rückschläge nicht als Niederlagen zu betrachten, sondern lediglich als Feedback?

Du hängst Dein Fähnlein nicht mehr nach dem Wind, sondern erweiterst das Spektrum Deiner Möglichkeiten und erhöhst Deine persönlichen Erfolgsaussichten in allen Lebensbereichen enorm, wenn Du Deine Komfortzone pro aktiv verlässt.

Was befindet sich außerhalb der Komfortzone?

Beim Modell der Komfortzone wird in drei getrennte Bereiche unterteilt: im Kern die Komfortzone, dann Actionzone und ganz außen die Panikzone.

In der Actionzone findet unsere Persönlichkeitsentwicklung und Veränderung statt. Wird die neue Erfahrung als zu gefährlich eingestuft, können wir auch in Panik verfallen.

Dann befänden wir uns in der Panikzone, die meistens nicht wirklich risikoreich ist, sondern schlicht eine temporäre Überforderung unserer Persönlichkeit darstellt.

Manchen Menschen fällt es durch stark ausgeprägte, motivationale Antreiber (z.B. Neugier) deutlich leichter Veränderung mit Spaß zu begegnen und diese schneller anzunehmen.

Wir propagieren hier definitiv nicht jede Erfahrung zwingend um des Erfahrungswillen machen zu müssen. Die Frage ist, welche persönlichen Ziele Du damit verfolgst und erreichen willst.

Daraus lassen sich dann ebenfalls ganz gezielt(!) Comfortzone Übungen ableiten, die Dich Deinen übergeordneten Zielen näher bringen und Dich in ganz bestimmten Lebensbereichen weiterbringen.

Warum sollte ich raus aus der Komfortzone?

Die Frage lautet: „Lohnt sich das für Dich?“ und ist ganz klar mit „Ja“ zu beantworten.

Du kannst Dein Selbstbewusstsein stärken und Deine Schüchternheit überwinden. Oft ist es so, dass wir in manchen Bereichen unseres Lebens bereits voller Selbstvertrauen agieren.

Es gibt aber auch zeitgleich Bereiche, in denen wir partiell sehr schüchtern und zurückhaltend sind (z.B. der erfolgreiche Top-Manager, der sich nicht traut Frauen anzusprechen).

Wir fühlen uns dort noch unsicher, weil wir in diesem Lebensbereich entweder gar keine eigene Erfahrung gesammelt haben, oder die bisherigen Erfahrungen als negativ verbucht worden sind und so unsere Schüchternheit noch weiter verstärkt haben.

Wenn Du Dir also die Frage stellst: „Wie bekomme ich mehr Selbstbewusstsein?“ bzw. „Wie kann ich selber meine Ängste überwinden?“, dann hast Du jetzt eine Antwort dazu.

Welches sind die beliebtesten Anwendungsgebiete von Komfort Übungen?

In der Verhaltenstherapie werden entsprechende Übungen angewendet, um soziale Ängste – bis hin zur sozialen Phobie – erfolgreich zu überwinden.

Ebenfalls werden Komfort-Übungen von einer Flirt-Szene (namens Pick Up Artist) angewendet, die sich u.a. intensiv mit der Thematik „Frauen ansprechen“ beschäftigt.

Allerdings ohne primär den Sinn der Persönlichkeitsentwicklung in den Fokus zu stellen, sondern mit der direkten Zielorientierung effektiv das andere Geschlecht zu verführen.

Wir sind dem gegenüber davon überzeugt, dass die nachhaltige Entwicklung der gesamten Persönlichkeit vorangetrieben werden sollte – natürlich inklusive des Beziehungsaufbaus zu anderen Menschen.

Auch im beruflichen Kontext der Mitarbeitermotivation werden Komfort Übungen angewendet und sind sehr beliebt.

Dort steht aus Führungssicht immer die Frage im Raum: „Wie motiviere ich Mitarbeiter?“ und erhöhe letztlich die Produktivität.

Wir meinen, dass Veränderungen im Bereich der Persönlichkeit nur auf freiwilliger Basis und von innen her geschehen können – nicht als betriebliche Zwangsmaßnahme von außen.

Was soll ich jetzt tun?

Nachdem Du nun weißt was die Komfortzone ist, wie sie genau funktioniert und warum es lohnenswert ist sie zu erweitern, musst Du für Dich jetzt eine Entscheidung treffen.

Willst Du aktiv an Dir und Deiner Persönlichkeit arbeiten, oder einfach so weitermachen wie bisher?

Im Film die Matrix heißt es: rote, oder blaue Pille? ;-)

Bleib erfolgreich,

The Life Artists

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *